Interview mit Sebastian Schröder, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.

Sebastian Schröder (BME)

Welchen Stellenwert hat das Thema Compliance  für den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik?
Compliance hat in zweifacher Hinsicht einen hohen Stellenwert  für den BME. Zum einen legen wir bei allen Tätigkeiten hohen Wert darauf, dass Recht und Gesetz eingehalten werden und ergreifen entsprechende Maßnahmen, um das sicherzustellen. Zum anderen sind die Vertreter unserer Mitgliedsunternehmen alle im Einkauf tätig. Ihr Ziel ist es, nur mit Lieferanten Geschäfte abzuschließen, die sich selbst auch an Recht und Gesetz halten. Allgemein beobachten wir, dass eine Geschäftspartner-Due-Diligence im Hinblick auf die Dimension Compliance für unsere Mitglieder immer wichtiger wird.

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie im BME ergriffen, um Compliance-Verstößen vorzubeugen?
Unsere verbandsinternen Richtlinien orientieren sich an den typischen Risiken, die sich aus der Verbandsarbeit ergeben. Ein starker Fokus liegt zudem auf der Beratung unserer Mitglieder, damit in den Geschäften mit Lieferanten das Thema Compliance konsequent und nachhaltig verfolgt werden kann . Hierfür stellen wir unseren Mitgliedern Richtlinien, wie den BME-Kodex sowie Beratung, Information, Schulungen und Ähnliches zur Verfügung. Im Fokus liegt dabei das Verhältnis zwischen Kunden und Lieferanten sowie die Themen Korruption, Kartelle, Nachhaltigkeit, Kinderarbeit, die Wahrung der Menschenrechte, Antidiskriminierung und Umwelt.

Konkret stellen wir zum Beispiel Muster für Einkaufsrichtlinien zur Verfügung. Diese Richtlinien bieten Orientierung bei Fragen, die die Schnittstelle von Kunden und Lieferanten betreffen: Wie beschaffe ich sauber? Wie vermeide ich Interessenkonflikte? Unsere Dokumente helfen bei der Auswahl der richtigen Lieferanten, damit unsere Mitgliedsunternehmen sicherstellen können, dass auch ihre Zulieferer sich an Recht und Gesetz halten.

Wie haben Sie Ihre Leitlinien und den Compliance-Standard entwickelt?
Zunächst haben wir für unser Tätigkeitsfeld eine Risikoanalyse durchgeführt. So konnten wir die für den Verband wesentlichen Themen identifizieren. Anhand der Ergebnisse haben wir dann verschiedene Maßnahmen ergriffen und unsere Verbandsarbeit entsprechend organisiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei zum Beispiel die Themen Datenschutz und Kartellrecht.

Im Hinblick auf unsere Mitgliedsunternehmen und deren Unterstützung durch uns gilt Folgendes: Für uns ist es wichtig, dass Compliance in die Geschäftsprozesse integriert wird und nicht isoliert für sich steht. Deshalb müssen Compliance-Verantwortliche die Geschäftsprozesse verstehen. Denn wenn die Prozesse definiert sind, muss Compliance an der richtigen Stelle anknüpfen und nicht separat stattfinden. Unser Ziel ist es, all diese Themen für unsere Mitglieder operationabel zu machen.

Wir greifen hierbei auf die Erfahrungen unserer Mitgliedsunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen wie Industrie, Finanzdienstleister, Logistiker zurück. In unseren Arbeitskreisen treffen sich Compliance- wie auch Einkaufsverantwortliche aus den Unternehmen. So werden Erfahrungen unterschiedlicher Bereiche zusammengetragen: sowohl von Menschen, die eher regelorientiert arbeiten, als auch von Menschen, die operative Geschäftsverantwortung haben.

Welches Feedback bekommen Sie von Ihren Mitgliedsunternehmen?
Das Feedback unserer Mitgliedsunternehmen ist ganz unterschiedlich. Denn manche Unternehmen sind bereits sehr compliance-affin, andere sind noch auf dem Weg. Von ihnen werden wir verstärkt angesprochen und um Unterstützung gebeten.

Welche Erwartungen haben Sie an die Tagung im Februar?
Ich finde es spannend, auf Vertreter der verschiedenen Verbände zu treffen, da diese sich in unterschiedlichem Maß mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Unser Ziel ist es, das Thema  transparenter zu machen, Erfahrungen anderer zu hören und sich auszutauschen.