Kurzinterview mit Florian Dieckmann, Pressesprecher, AstraZeneca GmbH

AstraZeneca

1. Herr Dieckmann, wie wichtig ist es, Mitarbeiter, aber auch externe Stakeholder wie Kunden, Geschäftspartner oder die Öffentlichkeit, über das eigene Compliance Management-System zu informieren?

Dieckmann: „Es nicht zu tun ist der sichere Weg, ihr Compliance-System zum Scheitern zu bringen. Denken Sie aber auch darüber hinaus: Wen betrifft ihr Compliance-System noch? Das können Lieferanten, Nachbarn oder die Lokalpolitik sein. Oft reicht aber die bloße Information nicht aus. Gerade Ihre Kunden und Mitarbeiter sollten Sie schon bei der Entwicklung ihrer Systeme einbinden und mitarbeiten lassen. Das schafft erwiesenermaßen eine höhere Akzeptanz für das Ergebnis.“

2.  Wie erreicht man, dass Mitarbeiter Compliance nicht als starres Regelwerk betrachten, das sie in ihrer Handlungsfreiheit einschränkt?

Dieckmann: „Leben Sie Compliance als Haltung, nicht als Verbots- und Kontrollsystem. Verankern Sie Ihr Compliance-Team als Supportfunktion, nicht als „Innenrevision“. Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein und verstehen Compliance als lernendes System, das sich Realitäten anpassen kann. Schaffen Sie einen fairen Sanktionsprozess, der erlaubt, aus Fehlern zu lernen; dies fördert auch die Offenlegung durch die Betroffenen selbst.“

3. Ist Compliance ein kurzfristiger Trend oder erst der Anfang eines langfristigen Umdenkens in der Gesundheitsbranche?

„Compliance bedeutet ja erstmal nichts anderes als Einhaltung bzw. Befolgung bestimmter Regeln. Wichtiger ist die Haltung dahinter. Wie wollen wir uns als Teil der Gesellschaft verhalten? Welche Verantwortung tragen wir? Welche Prinzipien und Werte wollen wir uns geben? Und: Was tun wir, wenn diese einmal verletzt werden?
Zweiter Punkt: Unternehmen unterliegen heute anderen gesellschaftlichen Erwartungen als noch vor 20 Jahren. Reputation wird zu einem harten Unternehmenswert. Unternehmen mit einer negativen Reputation sind wirtschaftlich langfristig weniger erfolgreich, unterliegen häufiger politischer Regulierung und haben es schwerer, qualifizierte Mitarbeiter an sich zu binden. Dies gilt in der Gesundheitsbranche noch stärker als beispielsweise im Konsumgüterbereich. Unternehmen, die dies als kurzfristigen Trend ansehen, werden Probleme bekommen.“